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Concours d’Élégance – whatever it takes

Anlässlich der im Rahmen des 10. internationalen Concours d’Élégance AvD-Classic-Gala Schwetzingen 2014 ausgestellten Sondershow „100 Jahre Maserati“ war ich die letzten Wochen für die Perfektionierung eines Maserati 3200GT BJ2000 zuständig.

Dieser Beitrag soll bildlich darstellen, wie man ca. 65 Arbeitsstunden in ein „relativ“ neues Auto versenken kann und am Ende doch noch gerne eine Woche mehr gehabt hätte.

Zur Vorgeschichte:

Besagtes Fahrzeug wurde vom Veranstalter selbst durch Zufall auf einem kleinen Sonntagstreffen in Speyer entdeckt und sollte trotz nicht passendem Baujahr (Concours Veranstaltungen sind aktuell bis ca. BJ 1990) wegen der einzigartigen Heckpartie auf jeden Fall Teil der Maserati Sonderausstellung sein.
Der Zustand war keineswegs schlecht, aber entsprach mehr einem „Fahr“zeug als einem Ausstellungsstück. Die Zusage erfolgte vor Ort und Stelle, womit ich ins Spiel kam.
Eine Woche später überführte ich das gute Stück in das gerade frisch benutzbar gewordene Detailing Studio Chiemgau und hatte noch genau 14 Tage Zeit um das Maximum ohne Lackierarbeiten herauszuholen.

Der Ausgangszustand:

Alles in Allem eine Ausgangsbasis mit der man arbeiten kann. Normale Verschmutzungen durch mehr Fahren als Waschen, diverse Aufsetzkratzer an der Frontschürze, kleinere Lackschäden an den Felgen. Den Scheinwerfern galt besonderes Augenmerk, da sich dort die UV Schutzschicht durch Abblättern bemerkbar machte. Das Fahrzeug wurde etwa 2009 in Italien komplett neu lackiert, was für diverse Zusatzarbeiten in Form von Orangenhaut und Lackierfehlern sorgte.

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Es folgte die übliche gründliche zwei Eimerwäsche, gefolgt von Lackreinigungsknete um die vielen Fliegen und Oberflächenablagerungen zu beseitigen.
Frisch getrocknet wurde die Schichtstärke der Lackierung überprüft um herauszufinden wieviel Spielraum der neue Lack zulässt.
Mit Ausnahme des Daches (ca. 220µm) wies das gesamte Fahrzeug eine durchaus „gesunde“ Schichtdicke von ca. 570-670µm auf.
Zum Vergleich, eine Werkslackierung weist durchschnittlich 120-140µm auf.

 

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Obwohl die Fußmatten aus sichtbaren Gründen ersetzt wurden, konnte ich es natürlich nicht lassen ein wenig zu spielen 😉

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Bevor es an die Defektkorrektur geht, noch ein kleiner Hinweis vorsichtig zu tanken, Benzin und Lack mögen sich nicht 😉 (lässt sich aber problemlos polieren)

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Die Lackbearbeitung (Defektkorrektur)

Die folgenden Bilder dürften im Großen und Ganzen selbsterklärend sein (vorher/nachher).
Das Fahrzeug erhielt ganzflächig 5 bis 7 Politurschritte von scharf nach fein um maximalen Glanzgrad und bestmögliche Defektfreiheit zu erreichen.
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Da silberne Lacke nicht gerade einfach zu Fotografieren sind eine kleine Hilfestellung: Es gilt immer die Lichtquelle zu beachten, die Kratzer/Defekte zeichnen sich immer in direkter Umgebung dazu ab. Im folgenden Bild sind z.B. nur leichtere Haarlinienkratzer zu sehen. Für ein perfektes Ergebnis sind natürlich alle derartige Kratzer zu beseitigen, da sich darin das Licht bricht und das Erscheinungsbild des Lackes verändert (stumpfer).

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An diversen Stellen galt es Lackierfehler durch Nassschliff zu beseitigen.

In den folgenden Fotos wird zuerst ein Läufer (zuviel Klarlackauftrag) plan geschliffen, gefolgt von Orangenhautbeseitigung um ein deutlich klareres Spiegelbild der Umgebung zu ermöglichen. Erhöhter Glanzgrad ist natürlich ein willkommener Nebeneffekt dieser Methode.

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Scheinwerfer neu beschichten:

Wie oben bereits erläutert löste sich bei den Scheinwerfern die UV Schutzschicht. Da dies nicht nur schädlich für den Kunststoff ,(einige Risse hatten sich schon gebildet) sondern auch optisch sehr unschön ist, wurde statt der üblichen Methoden (schleifen und polieren) ein neues Beschichtungssystem getestet.
Der große Vorteil liegt in der Dicke der neuen Schutzschicht, der Nachteil am nötigen Ausbau der Scheinwerfer, was sich bei italienischen Sportwagen etwas „lästiger“ gestaltet,denn gut von oben erreichbare Schrauben gibt es nicht…

Im selben Zug wurden alle vorderen Leuchtmittel gegen neue ersetzt (wenn es schon mal offen ist..)

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Beim ersten Anschliff des Scheinwerfers zeichnet sich bereits die beschädigte Beschichtung klar ab. Es wurden mehrere Schleifschritte beginnend bei P1000 bis P3000 durchgeführt, anschließend poliert und beschichtet.

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Innenraum und Lederbearbeitung:

Nach 160.000km (150.000 davon in italienischer Sonne) war das Leder leider nicht mehr so ansehnlich wie zu Zeiten der Auslieferung.
Die Sitze wurden neu gefärbt, eine Beschädigung an der Mittelkonsole ausgebessert, Lenkrad und Schaltknauf neu gefärbt und diverse Kleinigkeiten beseitigt.

Da die Sitze einen schwarzen Kontrastkeder besitzen war etwas aufwendigere Abklebearbeit nötig um diesen nicht verschwinden zu lassen.

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(hier wurde die Falte links vom Airbag wieder gerade gezogen, das Leder hatte sich auf der Rückseite gelöst)

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Finish und letzte Details:

Nach der Durchführung aller groben Arbeiten ging es nun ans Final Finish. Der Innenraum wurde gereinigt, alle Lederteile (ausser Teppich und Dachhimmel ALLES..) wurden tiefengereinigt und gepflegt, Einstiege und Fahrzeugunterseite poliert, zwei weitere Finish Poliergänge am kompletten Fahrzeug durchgeführt und anschließend die Versiegelungen (unter anderem das Premium Wachs Zymöl Vintage) aufgetragen. Die Scheiben wurden ebenfalls poliert und mit 4 Schichten Glasversiegelung beschichtet damit der Scheibenwischer entlastet wird 😉

Als Anhaltspunkt, das Final Finish dauerte insgesamt ca. 2 Arbeitstage, in der obigen Beschreibung fehlen sicherlich dutzende Einzelschritte die mir inzwischen wieder entfallen sind. Das Blackboard hat mich aber zu jeder Zeit daran erinnert 😉

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Letztendlich wurde es wieder „just-in-time“. Am Freitag Morgen um ca. 03:00 war Schluss. Eine Stunde später ging es direkt Richtung Schwetzingen, mit kleinem Zwischenstop in Herxheim, zur letzten Reinigung nach der langen Fahrt.

Zu guter Letzt die finalen Fotos im Schwetzinger Schlossgarten:

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